Dienstag, 14. Oktober 2025

Es ist nie der richtige Zeitpunkt- aber irgendwann zu spät

 „Ich kann doch nicht einfach mittendrin eine Pause machen.“
Diesen Satz höre ich in all seinen Variationen wirklich oft. Und ich kenne ihn von mir selbst auch sehr gut.
Wir leben in einem Tempo, das kaum Lücken lässt. Der Alltag voll, der Kopf auch.
Und irgendwie schieben wir es immer wieder auf.

„Wenn der Stress vorbei ist.“
„Wenn der Urlaub kommt.“
„Wenn das Projekt abgeschlossen ist.“
 
Aber: Der Körper wartet nicht.
Er arbeitet. Jeden Tag. Ohne Pause.
Er gleicht aus, was du nicht fühlen oder nicht stoppen kannst.
Er trägt, was du nicht abgeben kannst.
Er reguliert – auch dann, wenn du längst erschöpft bist.

Dein Körperkonto – und warum es so leer ist

Stell dir vor, dein Körper hat ein inneres Sparkonto.
Jede Entscheidung, jede Emotion, jeder Gedanke, jede körperliche Anstrengung – kostet etwas davon.
Diese „Abbuchungen“ fallen oft gar nicht auf:
– das Gespräch, bei dem du freundlich bleibst, obwohl du erschöpft bist.
– das Zähne-zusammenbeißen, obwohl du innerlich gerade am Limit bist.
– die 20 Tabs im Kopf, die du gleichzeitig offen hältst.
– das ständige Mitdenken, Vorausplanen, Sorgen.

Vereinzelt höre ich Menschen sagen:
„Ich hab gar keinen Stress.“
Und wenn wir genauer hinschauen, sehen wir:
Doch. Aber er ist so alltäglich geworden, dass er sich normal anfühlt.

Das macht ihn gefährlich – weil das Konto dabei leer läuft.
Und irgendwann sagt der Körper: Stopp. Mit Müdigkeit. Mit Rückzug. Mit Überforderung.


„Lieber jeden Tag mehrmals 5 Cent in mich einzahlen – als nie 50 Euro.“ (Lisa Feldman Barrett)

Das ist zu meinem persönlichen Learning geworden.
Früher dachte ich, ich bräuchte große Zeitfenster, Retreats, den perfekten Moment.

Heute weiß ich:
Jede bewusste Minute zählt. Jede liebevolle Mikro-Unterbrechung. Jeder Moment, in dem ich kurz aus dem Funktionieren aussteige und wieder bei mir ankomme. (und nicht beim Doom-Scrollen)

Du musst nicht erst alles anders machen.
Es reicht, wenn du anfängst, dich zwischendurch nicht zu vergessen.

Aber wann denn bitte noch?

Vielleicht denkst du:
„Ich hab keine Zeit für sowas.“
Oder: „Ich bin froh, wenn ich den Tag irgendwie überstehe.“

Das verstehe ich.
Und deshalb geht es nicht darum, neue Aufgaben zu erledigen.
Sondern darum, das, was schon da ist, anders zu nutzen.

✨ Eine bewusste Ausatmung, während der Kaffee durchläuft.
✨ 10 Sekunden mit geschlossenen Augen, bevor du ins nächste Zimmer gehst.
✨ Deine Hand kurz auf dem Brustkorb – ein inneres: Ich bin da.

Das sind keine Extra-To-dos.
Das sind Mini-Momente, die du dir im Alltag zurückholst.

Fang heute an – mit ganz kleinen Schritten

Nicht morgen.
Nicht im nächsten Urlaub.
Nicht, wenn es ruhiger wird.

Heute.
Mit einer Entscheidung für dich.
Mit einer kleinen Erinnerung: Du darfst jetzt auftanken.

Denn du bist nicht dafür gemacht, immer nur durchzuhalten.
Du bist dafür gemacht, dich zu spüren. Und gut für dich zu sorgen.
 
 

Bonus-Abschnitt (für die ganz Interessierten):

Was passiert im Körper bei Mini-Regeneration?

👉 Der Vagusnerv wird aktiviert – dein Ruhe- und Reparatursystem startet.

👉 Dein Herzschlag beruhigt sich, dein Blutdruck sinkt.

👉 Deine Verdauung beginnt wieder zu arbeiten.

👉 Dein Gehirn bekommt das Signal: Ich bin sicher.
Und in genau diesem Zustand wird Entwicklung möglich.

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