Mittwoch, 8. Oktober 2025

Warum Regulation kein Luxus ist: so stärkst du dein Körperbudget

Etwas, was mir immer wieder begegnet:

Du willst dich regulieren, ruhiger werden, präsenter atmen, dich sicherer fühlen –
und dann stehst du da, erschöpft, reizüberflutet, und selbst die kleinste Übung scheint zu viel.

Du denkst: Ich müsste meditieren, Yoga machen, mehr fühlen, atmen, visualisieren…
Doch das, was dein Körper eigentlich braucht, ist:
- ein Glas Wasser.
- eine Pause.
- eine Nacht mit genug Schlaf.

Klingt banal?
Neurobiologisch ist es revolutionär.
Denn Regulation beginnt nicht mit Technik, sondern mit Energie.
 

 🧠 Allostase – was dein Gehirn wirklich tut

In den letzten Jahren hat die Neurowissenschaft ein altes Missverständnis entlarvt:
Das Gehirn ist kein Denkorgan – es ist ein Regulationsorgan.

Seine wichtigste Aufgabe ist es nicht, brillante Gedanken zu haben, 
sondern dich am Leben zu halten –und zwar vorausschauend. 
 
Diese Fähigkeit nennt man Allostase (Feldman-Barrett):
Dein Gehirn trifft fortlaufend kleine Entscheidungen, wie viel Energie du für Bewegung, Emotion, Verdauung, Denken oder Heilung aufwenden kannst.
Es führt sozusagen dein inneres Körperbudget.

Jede Handlung, jeder Gedanke, jede Begegnung ist für dein System eine Investition oder eine Abbuchung.
Wenn dein Budget im Minus ist – durch Schlafmangel, Dauerstress, Überforderung, schlechte Ernährung, zu wenig Ruhe oder zu viele unlösbare Konflikte – kann dein Nervensystem sich schlicht nicht regulieren.
Es hat keinen Kredit mehr.

⚖️ Körperbudget = biologische Selbstfürsorge

Stell dir dein Körperbudget wie ein Bankkonto vor.
Einzahlungen sind Schlaf, Nahrung, Bewegung, soziale Nähe, Sinn, Freude.
Abhebungen sind Stress, Lärm, Konflikte, Überreizung, zu wenig Pausen.

Wenn du ständig im Dispo lebst, 
braucht es keine großen Auslöser, um dich aus der Balance zu bringen.
Dein System geht schneller in Alarm, weil es schon vorher auf Reserve läuft.

Viele meiner Klientinnen sagen:

> „Ich will lernen, mich zu regulieren – aber irgendwie funktioniert nichts.“

Und oft liegt die Antwort nicht im „richtigen“ Tool oder in der nächsten Methode,
sondern darin, dass das Konto leer ist. Ein leerer Akku lässt sich nicht durch bessere App-Einstellungen aufladen. Er muss an die Steckdose.

🌿 Die unterschätzten Basics

Regulationsfähigkeit ist kein esoterisches Talent. Sie ist das Ergebnis von biologischer Stabilität.
Schlaf ist nicht Faulheit, sondern dein körpereigener Reset.
Trinken ist kein Nebenschauplatz, sondern Grundlage neuronaler Kommunikation.
Regelmäßig essen verhindert, dass dein Gehirn Notfallprogramme startet.
Pipi gehen, wenn du musst (ja, wirklich!) ist eine Form von Selbstachtung – dein Körper signalisiert ein Bedürfnis, und du reagierst darauf.

Das sind keine Nebensächlichkeiten.
Das sind nervensystemfreundliche Handlungen.
Sie sagen deinem Körper: Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst. Du darfst sicher sein.

Erst wenn diese Grundbedingungen einigermaßen erfüllt sind, 
kann Regulation überhaupt greifen.
Alles andere sind schöne Extras – aber keine Basis.

🔄 Regulation heißt nicht, immer ruhig zu sein

Ein reguliertes Nervensystem ist kein Dauerzustand von Zen.
Es ist ein System, das pendeln kann:
- von Aktivierung zu Ruhe,
- von Tun zu Sein,
- von Spannung zu Entladung –
und wieder zurück.

Allostase bedeutet nicht, dass du nie Stress hast.
Sie bedeutet, dass du genug Reserven hast, um wieder zu dir zurückzufinden.

Wenn du also das Gefühl hast, dass die großen Übungen nicht „funktionieren“:
Vielleicht ist dein System gar nicht unfähig.
Vielleicht ist es einfach müde und leer.

💬 Fazit

Bevor du nach der nächsten Methode suchst, frag dich:
> Bin ich überhaupt (gut) genährt genug, um mich zu regulieren? Wer in meiner kostenfreien Masterclass am 30.09.25 war, der weiß, dass das N in meinem K.E.R.N.-Modell für "Nähren" steht.

Ein nervensystemfreundliches Leben beginnt nicht in der Meditation – es beginnt im Alltag,
in der Art, wie du schläfst, isst, trinkst, atmest, und wie du mit dir sprichst, wenn du’s mal nicht schaffst.

Wenn du das übst, 
trainierst du bereits die tiefste Form von Regulation:
eine freundliche Beziehung zu deinem eigenen Körperbudget.
 
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Es ist nie der richtige Zeitpunkt- aber irgendwann zu spät

 „Ich kann doch nicht einfach mittendrin eine Pause machen.“ Diesen Satz höre ich in all seinen Variationen wirklich oft. Und ich kenne ihn ...