"Ich will das nicht mehr fühlen!"
Ich kannte dieses innere Drängen. Gegen die Wut, die immer wieder hochkocht. Gegen die Traurigkeit, die an manchen Tagen überflutet. Gegen die Hilflosigkeit, die wie aus dem Nichts lähmt.
Viele meiner Klientinnen haben ebenfalls mindestens ein Gefühl, das sie um keinen Preis fühlen wollen. Und oft versuchen sie alles, um es zu vermeiden: Ablenkung, Kontrolle, Anspannung, Verdrängung. Das ist kein Zufall, sondern eine kluge Schutzstrategie deines Nervensystems.
Warum Vermeidung ein Schutzmechanismus ist:
Wenn ein Gefühl früher zu groß, zu bedrohlich oder zu überfordernd war, lernt dein System: "Das darf nicht sein." Dein Nervensystem speichert diese Erfahrung ab und entwickelt Schutzstrategien: Anspannung, Ablenkung, Rückzug oder Funktionieren. So entsteht emotionale Vermeidung.
Deshalb gehst du vielleicht lieber in Wut statt in Trauer. Ziehst dich zurück statt Hilflosigkeit zuzulassen. Wirst hart, obwohl du dich eigentlich nach Verbindung sehnst.
Aber: Gefühle verschwinden nicht, wenn wir sie wegdrücken. Sie wirken weiter – im Körper, im Verhalten, in unseren Beziehungen. Oft zahlen wir einen Preis: innere Anspannung, Erschöpfung, Gereiztheit oder das Gefühl von innerer Leere.
Gefühle, Gedanken, Emotionen – was ist was?
Viele sagen: "Ich fühle, dass ich nicht gut genug bin." oder "Ich fühle mich nicht richtig.". Das klingt nach Gefühl, ist aber ein Gedanke.
Ein echtes Gefühl ist im Körper spürbar: Druck auf der Brust, Enge im Hals, Zittern, Hitze, Kälte.
Eine Emotion entsteht, wenn dein Gehirn diese Körperempfindung bewertet: "Das ist Angst." oder "Das ist peinlich.".
Gefühl + Bewertung = Emotion
Wenn dein Nervensystem im Überlebensmodus ist, kann diese Zuordnung verzerrt sein. Freude kann sich wie Angst anfühlen. Oder Hilflosigkeit wird mit Scham überschrieben. Du spürst etwas Echtes – aber dein System gibt ihm eine andere Bedeutung.
Ich kenne das gut: In mir war oft große Freude. Aber mein System hatte gelernt: Freude ist gefährlich. Denn wenn ich mich freue, falle ich tief. Also hat mein Nervensystem diese Energie mit Angst belegt. Und ich habe mich klein gemacht. Aus Schutz. Nicht aus Schwäche. Und jedes Mal, wenn ich mich hätte freuen "können", dann bekam mein Körper die Info für Alarm. Für Angst.
Meine Coachee sagte: "Ich habe Angst, davon überrollt zu werden"
Das ist so nachvollziehbar. Viele Frauen fürchten: Wenn ich dem Gefühl Raum gebe, dann hört es nie wieder auf. Dann verliere ich die Kontrolle. Oder ich schäme mich dafür.
Doch Gefühle wollen nicht zerstören. Sie wollen durch dich hindurch. Sie brauchen Kontakt, nicht Kontrolle.
Der Weg führt nicht über Drama oder Disziplin. Sondern über das Verstehen, das Benennen, das sichere Begleiten. Gefühle dürfen (wieder) durch dich hindurchfließen – statt sich in dir festzusetzen.
Und nein: Es geht dabei nicht ums Ausagieren. Gefühle durchlaufen bedeutet nicht, sie ungefiltert auf andere zu schleudern. Es bedeutet, sie in dir wahrzunehmen, sie zu halten, ihnen einen sicheren Raum zu geben. Damit sie sich wandeln dürfen.
Wenn du lernst, deine Gefühle sicher zuzulassen, verändert sich dein Alltag spürbar:
Du musst unangenehme Gefühle nicht mehr wegdrücken – sie verlieren ihre Bedrohung.
Du verstehst, was wirklich in dir vorgeht, statt dich von Gedanken in die Irre führen zu lassen.
Du kannst Freude, Stolz und Nähe halten, ohne dass sofort Angst oder Selbstzweifel auftauchen.
Du wirst klarer in deinen Bedürfnissen – und kannst sie ausdrücken, ohne dich schuldig zu fühlen.
Dein Körper fühlt sich leichter und freier an, weil er nicht ständig gegen sich selbst arbeiten muss.
Genau diese Veränderungen entstehen, wenn wir im Coaching an der Gefühlsebene deines Eisbergs arbeiten.
In meinem 1:1 Coaching Inner Shift begleite ich Frauen, die viel gefühlt haben – aber irgendwann gelernt haben, sich davon abzuschneiden. Weil es zu viel war. Oder zu früh. Oder zu allein.
Du kannst wieder in Kontakt kommen. Mit deinen echten Gefühlen. Und mit der Kraft, die darin steckt. Wenn du lernen willst, dich selbst zu fühlen, statt dich weiter zu verlieren: Lass uns sprechen: Link
Kleiner Impuls für deinen Alltag:
Leg heute mal eine Hand auf deinen Brustkorb. Und frag dich: Was spüre ich hier gerade? Nur beobachten. Ohne bewerten. Ohne "richtig oder falsch". Nur: Da ist etwas. Und ich bin da.
Du bist nicht zu emotional. Und auch nicht zu hart.
Du hast gelernt, dich zu schützen. Und jetzt darfst du lernen, dich zu halten.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen